Sibiu – Hermannstadt: Das deutsche Erbe Rumäniens im Herzen Siebenbürgens

7 iunie 2026

Sibiu – Hermannstadt: Das deutsche Erbe Rumäniens im Herzen Siebenbürgens

Es gibt Städte, die einen beim ersten Schritt in die Altstadt sofort gefangen nehmen. Sibiu – auf Deutsch Hermannstadt – ist so eine Stadt. Die kopfsteingepflasterten Gassen, die mittelalterlichen Türme, die farbenfrohen Barockfassaden und die charakteristischen Dachfenster, die wie Augen auf die Passanten herabschauen – das alles erzählt eine Geschichte, die vor fast 900 Jahren begann. Und zu einem großen Teil ist es eine deutsche Geschichte.

Eine Stadt, gegründet von deutschen Siedlern

Im 12. Jahrhundert rief der ungarische König Géza II. deutsche Siedler nach Siebenbürgen, um das Land zu erschließen und die Grenzgebiete zu sichern. Diese Einwanderer, hauptsächlich aus dem Erzbistum Köln und dem Rheinland stammend, brachten ihre Handwerkskünste, ihre Sprache und ihre Baukultur mit. Um 1147 erreichten die ersten deutschen Siedler die Gegend um das heutige Sibiu – und gründeten eine Stadt, die für Jahrhunderte das Zentrum des deutschen Lebens in Siebenbürgen werden sollte.

Hermannstadt wurde 1223 urkundlich erwähnt, als die Siedlung zu Ehren des Kölner Erzbischofs Hermann II. den Namen „Villa Hermanni" erhielt. Die Stadt wuchs rasch zu einem bedeutenden Handelszentrum, schlug mehrfach osmanische Belagerungen zurück und entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert zu einer der wohlhabendsten Städte Mitteleuropas. Ihre mächtigen Stadtmauern mit Türmen und Bastionen zeugen noch heute von dieser wehrhaften Vergangenheit.

Wo deutsche Geschichte greifbar wird

Wer heute durch Sibiu schlendert, spürt bei jedem Schritt die mitteleuropäische Vergangenheit dieser Stadt. Auf dem Großen Ring (Piața Mare) – dem zentralen Marktplatz – öffnet sich ein Panorama, das an Städte wie Bruges oder Tallinn erinnert. Barocke Bürgerhäuser, das prächtige Brukenthal-Museum (eines der ältesten Museen Europas, untergebracht im Palais des sächsischen Gouverneurs Samuel von Brukenthal) und die mächtige Johanniskirche säumen den Platz.

Die Lügenbrücke (Podul Mincinoșilor) ist die erste Gusseisenbrücke Rumäniens aus dem Jahr 1859 und trägt einen charmanten Namen: Der Legende nach bricht sie zusammen, sobald jemand darauf lügt. Sie verbindet den Großen Ring mit dem Kleinen Ring und ist eines der meistfotografierten Motive der Stadt.

Sibiu – Hermannstadt: Das deutsche Erbe Rumäniens im Herzen Siebenbürgens

Der Ratsturm (Turnul Sfatului), ein gotischer Wachturm aus dem 14. Jahrhundert, bietet nach dem Aufstieg einen atemberaubenden Blick über die Altstadt und – bei klarem Wetter – bis zu den schneebedeckten Karpaten im Süden. Dieses Panorama allein rechtfertigt den Besuch in Hermannstadt.

Ein besonders berührendes Zeugnis der deutschen Vergangenheit ist das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, das in einem historischen Gebäude in der Altstadt residiert. Straßenschilder sind noch heute zweisprachig – auf Rumänisch und Deutsch. In Restaurants und Läden begegnet man gelegentlich älteren Menschen, die fließend Deutsch sprechen: Nachfahren der Siebenbürger Sachsen, einer deutschen Minderheit, die trotz Jahrhunderten der Geschichte den Weg in die Heimat nie ganz verlassen hat.

Das ASTRA-Freilichtmuseum – Europas größtes Open-Air-Museum

Nur wenige Kilometer südlich der Altstadt, eingebettet in den Dumbrava-Wald, liegt das Muzeul ASTRA – eines der größten Freilichtmuseen Europas. Auf über 100 Hektar wurden hier mehr als 300 traditionelle Bauwerke aus ganz Rumänien originalgetreu wiederaufgebaut: Mühlen, Bauernhöfe, Schmieden, Kirchen und Wohnhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten und Regionen. Ein Spaziergang durch dieses Museum ist eine Zeitreise durch das ländliche Rumänien – und ein wunderbares Erlebnis für Familien mit Kindern.

Sibiu als Kulturhauptstadt Europas

Im Jahr 2007 trug Sibiu den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt – und diese Auszeichnung hat die Stadt nachhaltig verändert. Der damalige Bürgermeister, der später zum Präsidenten Rumäniens aufgestiegene Klaus Iohannis (selbst Siebenbürger Sachse), leitete eine umfassende Renovierung der gesamten Altstadt ein. Heute präsentiert sich Sibiu als gepflegtes, lebendiges Stadtzentrum mit einer florierenden Café- und Restaurantszene in den Gewölbekellern der mittelalterlichen Häuser.

Im Sommer verwandelt sich der Große Ring in eine Freilichtbühne: Konzerte, Theaterstücke, Handwerksmärkte und internationale Festivals machen Sibiu zum kulturellen Herzen Siebenbürgens. Das Internationale Theaterfestival Sibiu (FITS) ist eines der größten Theaterfestivals weltweit und zieht jedes Jahr Künstler und Besucher aus über 70 Ländern an.

Ausflugsziele rund um Hermannstadt

Sibiu ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in die unmittelbare Umgebung. Nur eine Stunde Fahrt entfernt liegt Sighișoara (Schäßburg) – eine mittelalterliche Burgstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und als Geburtsort von Vlad dem Pfähler gilt. Noch näher ist das Hunyadi-Schloss in Hunedoara – eine der mächtigsten Burgen des Mittelalters in Mitteleuropa, die einen besuch verdient.

In südlicher Richtung beginnen die Fogaraš-Karpaten mit dem Bâlea-See und der legendären Transfăgărășan-Passstraße. Wanderer und Bergsteiger haben von Sibiu aus direkten Zugang zu einem der wildesten und ursprünglichsten Gebirge Europas.

Übernachten in Sibiu: Authentisch und günstig

Hermannstadt bietet eine breite Palette an Unterkünften – von eleganten Boutique-Hotels in historischen Häusern der Altstadt bis zu gemütlichen Pensionen in den Randbezirken. Die Preise sind im Vergleich zu deutschen Städten deutlich niedriger, die Qualität jedoch keineswegs schlechter. Auf zimmerfrei.ro findest du handverlesene Unterkünfte direkt in der Altstadt und im Umland von Sibiu – von privaten Zimmern in Sächsischen Bauernhäusern bis hin zu modernen Apartments mit Karpatenpanorama. Wer in einem Haus mit Geschichte übernachten möchte, wird in Sibiu garantiert fündig.

Anreise: Mehrere Billigfluglinien verbinden deutsche Städte wie München, Frankfurt und Berlin direkt mit dem Flughafen Sibiu. Die Flugzeit beträgt etwa zwei Stunden – kürzer als manche Fahrt durch Bayern.