Siebenbürgen (Transsilvanien): Burgen, Schlösser und Dracula in Rumänien
7 iunie 2026

Es gibt eine Region in Europa, die mehr Legenden, mehr Geschichte und mehr landschaftliche Dramatik auf engstem Raum vereint als fast jede andere: Siebenbürgen, auf Rumänisch Transilvania und international als Transsilvanien bekannt. Das Land hinter den Wäldern – so die wörtliche Übersetzung – liegt im Herzen Rumäniens, umgeben vom Bogen der Karpaten, und hat Generationen von Reisenden, Dichtern und Abenteurern fasziniert. Für deutsche Reisende hat Siebenbürgen noch eine ganz besondere Dimension: Es ist das Land der Siebenbürger Sachsen, jener deutschen Gemeinschaft, die hier über 800 Jahre lang Spuren hinterlassen hat.
Das Draculaschloss: Mythos und Wirklichkeit
Kein Reiseziel in Rumänien ist bekannter als Schloss Bran nahe der Stadt Brașov – und keines wird öfter als „Draculaschloss" bezeichnet. Der irische Schriftsteller Bram Stoker hat in seinem Roman „Dracula" (1897) nie tatsächlich in Rumänien gelebt, doch sein literarischer Graf bewohnte in der Vorstellung der Leser genau solch eine transsilvanische Bergfestung – und Schloss Bran passt perfekt in dieses Bild. Auf einem Felsen thronend, mit weißen Türmen und steilen Mauern, zieht es jedes Jahr hunderttausende Besucher aus aller Welt an.
Die historische Wahrheit ist noch faszinierender als der Mythos: Das echte Vorbild für Dracula war Vlad III., genannt Vlad Țepeș (der Pfähler), Fürst der Walachei im 15. Jahrhundert. Sein berüchtigter Ruf gründete auf seiner Gewohnheit, Feinde auf Pfähle zu spießen – eine Methode, die er ausgiebig gegen osmanische Invasoren einsetzte. In Rumänien gilt er bis heute als Nationalheld, der sein Land gegen die osmanische Expansion verteidigte. Sein echtes Schloss – die Burg Poenari – liegt an der Transfăgărășan-Passstraße und ist weit spektakulärer als das touristisch aufgehübschte Schloss Bran.

Schloss Peleș – Das Neuschwanstein Rumäniens
Rund 40 Kilometer nordwestlich von Brașov liegt in der Bergstadt Sinaia eines der schönsten Schlösser Europas: Schloss Peleș. Im Auftrag von König Karl I. von Rumänien – der aus dem deutschen Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen stammte – wurde das Schloss zwischen 1873 und 1914 erbaut. Der Bau vereint neugotische, Renaissance- und Barockelemente zu einem Gesamtkunstwerk, das vor dem Hintergrund der waldbedeckten Karpaten wie ein Märchenschloss wirkt.
Nicht umsonst wird es oft als „Neuschwanstein Rumäniens" bezeichnet. Die Innenräume sind ein Rausch aus venezianischen Kronleuchtern, Muranoglas, deutschen Rüstungen, niederländischen Gobelins und maurischen Salons. Über 160 Zimmer, 30 Badezimmer und eine einzigartige Waffensammlung machen Peleș zu einem der meistbesuchten Schlösser Südosteuropas – und zu einem Ort, der deutschen Reisenden durch seine Verbindung zur deutschen Königsdynastie besonders nahe ist.

Brașov: Die schönste Stadt der Karpaten
Brașov (auf Deutsch: Kronstadt) ist mit Abstand eine der attraktivsten Städte Rumäniens. Im Herzen der transsilvanischen Karpaten gelegen, von bewaldeten Bergen umgeben, auf denen in weißen Lettern der Stadtname prangt – ähnlich wie das Hollywood-Schild in Los Angeles –, verbindet Brașov mittelalterliches Flair mit einer lebhaften modernen Atmosphäre.
Das Wahrzeichen der Stadt ist die Schwarze Kirche (Biserica Neagră), eine gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, die ihren Namen nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1689 erhielt, bei dem ihre Außenmauern russchwarz wurden. Sie ist die größte gotische Kirche Südosteuropas und beherbergt eine der ältesten Orgeln der Region. Rund um die Kirche erstreckt sich das mittelalterliche Zentrum mit barocken Bürgerhäusern, gemütlichen Cafés und einer der lebendigsten Fußgängerzonen des Landes.
Besonders beeindruckend: Hinter der Stadt, auf dem bewaldeten Berghang, steht die Burg Cetățuia, eine osmanisch-mittelalterliche Festung mit Panoramablick über Kronstadt und die umliegende Karpatenwelt. Der Aufstieg dauert 20 Minuten und lohnt sich zu jeder Tageszeit.
Sighișoara: Die einzige bewohnte mittelalterliche Zitadelle Europas
Rund zwei Stunden nordwestlich von Brașov liegt Sighișoara (auf Deutsch: Schäßburg) – eine Stadt, die die Zeit angehalten zu haben scheint. Die mittelalterliche Zitadelle auf dem Hügel ist laut UNESCO die einzige noch bewohnte Burgstadt Europas. Menschen leben hier noch heute in Häusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert, Kinder gehen über historische Kopfsteinpflastergassen zur Schule, Weinlokale öffnen in Gewölbekellern aus der Renaissancezeit.

Der Stundturm (Turnul cu Ceas) aus dem 14. Jahrhundert dominiert das Stadtbild und bietet von oben einen einzigartigen Blick über das Dächermeer der Zitadelle und das Kokel-Tal dahinter. Im Geburtshaus von Vlad dem Pfähler befindet sich heute ein Restaurant – eine skurrile, aber sehr transsilvanische Art, mit Geschichte umzugehen.
Sighișoara trägt deutliche Spuren der deutschen Vergangenheit: Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert von sächsischen Handwerkern gegründet und war über Jahrhunderte ein Zentrum des deutschen Handwerks und Handels in Siebenbürgen. Noch heute sind die Straßenschilder zweisprachig, und auf dem Wochenmarkt hört man gelegentlich ältere Einwohner in einem altertümlichen deutschen Dialekt sprechen.

Wandern in den Karpaten: Siebenbürgens wilde Seite
Siebenbürgen ist nicht nur Burgen und Städte – es ist auch eines der besten Wandergebiete Europas. Die Karpaten rund um Brașov bieten ein Netz gut markierter Wanderwege für alle Schwierigkeitsgrade. Das Bucegi-Massiv südlich von Sinaia ist bekannt für seine bizarre Felsformationen wie die Sphinx und die Zalmoxis-Felsen, die auf einem Hochplateau auf fast 2.000 Metern Höhe stehen und bei Wanderern aus Deutschland sehr beliebt sind.
Rund um Brașov erstreckt sich der Piatra Craiului-Nationalpark – ein schmaler, dramatischer Kalksteinkamm mit senkrechten Felswänden, der zu den schönsten Wanderregionen Rumäniens zählt. Gämsen springen über Felsvorsprünge, Adler kreisen über den Gipfeln, und in den Wäldern darunter leben Braunbären und Wölfe in einer Dichte, die in Westeuropa undenkbar ist.
Unterkünfte in Siebenbürgen: Von der Sächsischen Pension bis zum Schlosshotel
Siebenbürgen bietet eine der abwechslungsreichsten Unterkunftslandschaften Rumäniens. In den Städten Brașov, Sinaia und Sighișoara findet man alles von preiswerten Gästehäusern bis zu Boutique-Hotels in historischen Gebäuden. Auf dem Land, besonders in den Sächsischen Dörfern rund um Sibiu und im Kreis Brașov, sind private Pensionen in jahrhundertealten Bauernhäusern die authentischste Möglichkeit, Siebenbürgen zu erleben.
Auf der Plattform zimmerfrei.ro sind Hunderte solcher Unterkünfte gelistet – von einfachen Zimmern bei Einheimischen bis zu liebevoll restaurierten Sächsischen Gehöften mit Holzöfen, Obstgärten und selbst gemachten Marmeladen zum Frühstück. Diese Art zu reisen bringt einem das echte Siebenbürgen näher als jedes Hotelzimmer.
Warum Siebenbürgen jetzt der richtige Moment ist
Transsilvanien ist noch immer eines der am wenigsten touristisch überlaufenen Reiseziele Europas. Die großen deutschen Städte verzeichnen allein mehr Touristen pro Jahr als ganz Rumänien zusammen. Das bedeutet: keine Warteschlangen vor Schloss Bran im Oktober, keine überfüllten Wanderwege im Piatra Craiului, keine ausgebuchten Restaurants in Brașov – außer in den Hochsommerwochen im August. Wer jetzt kommt, erlebt eine Region, die gerade dabei ist, sich zu entdecken – mit allen Vorteilen der Ursprünglichkeit und zu Preisen, die in Deutschland kaum vorstellbar sind.
Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied, was bedeutet: keine Visapflicht, Euro als Verständigungsmittel für Preisverhandlungen (auch wenn die Landeswährung der Leu ist), und eine Infrastruktur, die sich in den letzten Jahren stark verbessert hat. Für deutsche Reisende ist es einfacher denn je, Siebenbürgen auf eigene Faust zu erkunden – mit einem Mietwagen von Bukarest oder Brașov aus, einem guten Reiseführer und Unterkünften aus dem Angebot von zimmerfrei.ro.